„Barrierefreie Webseite? Das brauche ich doch nicht."
Ein Irrtum, der Ihrem Unternehmen Kunden kostet
Teil 1 der Reihe: Barrierefreiheit im Web – mehr als eine Pflicht
Diesen Satz höre ich regelmäßig. Und ich verstehe ihn.
Wer kein offensichtliches Kundenproblem sieht, investiert nicht in eine Lösung. Das ist vernünftig. Aber in diesem Fall lohnt es sich, genauer hinzusehen. Denn hinter dem Thema Barrierefreiheit steckt mehr als Mitgefühl oder gesetzliche Pflicht. Es steckt handfestes Geschäftspotenzial – das viele Betriebe gerade ungenutzt lassen.
Wer besucht eigentlich Ihre Webseite?
Stellen Sie sich Ihre Besucher vor. Wahrscheinlich denken Sie an jemanden, der entspannt am Schreibtisch sitzt, gut sehen kann und entspannt und in Ruhe Ihre Webseite besucht. Die Realität sieht anders aus.
Laut Statistischem Bundesamt leben in Deutschland rund 7,9 Millionen Menschen mit einer amtlich anerkannten schweren Behinderung. Das sind 9,3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Über 75 Prozent davon sind 55 Jahre oder älter – also genau die Altersgruppe, die oft kaufkräftig ist und Entscheidungen trifft.
Dazu kommen Millionen Menschen mit leichteren Einschränkungen: Sehschwäche, Legasthenie, Hörprobleme, eingeschränkte Feinmotorik. Menschen, die nach einem Schlaganfall wieder ins Berufsleben einsteigen. Ältere Kunden, deren Augen einfach nicht mehr so mitspielen wie früher.
Kurz gesagt: Ein erheblicher Teil Ihrer potenziellen Kunden ist in dem Moment, in dem er Ihre Webseite besucht, auf irgendeine Weise eingeschränkt.
Was eine Barriere im Web konkret bedeutet
Barrieren auf Webseiten klingen abstrakt. In der Praxis sind es ganz konkrete Stolpersteine:
Text zu klein oder zu kontrastarm – ältere Besucher lesen nicht weiter und sind weg.
Bilder ohne Beschreibung – wer schlecht sieht und ein Vorleseprogramm nutzt, bekommt keine Information.
Formulare ohne klare Beschriftung – Menschen, die sich schlecht konzentrieren können, brechen ab.
Webseiten, die sich nur mit der Maus bedienen lassen – wer motorisch eingeschränkt ist, kommt nicht weiter.
Videos ohne Untertitel – für Menschen mit Hörproblemen schlicht nicht nutzbar.
Jede dieser Barrieren hat dieselbe Konsequenz: Der Besucher verlässt Ihre Seite. Ohne Anfrage. Ohne Auftrag.
Das ist kein theoretisches Problem. Das passiert täglich – still und unsichtbar, ohne dass Sie es in Ihrer Statistik direkt sehen.
Vier Gründe, warum eine barrierefreie Webseite Ihr Unternehmen stärkt
1. Sie sprechen mehr Menschen an
Eine barrierefrei gestaltete Webseite ist zugänglich für einen deutlich größeren Kreis von Besuchern. Mehr Zugänglichkeit bedeutet mehr potenzielle Anfragen. Es geht nicht darum, eine Randgruppe zu bedienen – es geht darum, niemanden unnötig auszuschließen.
2. Alle Besucher profitieren
Barrierefreiheit verbessert die Bedienbarkeit für jeden. Klare Strukturen. Gut lesbare Schrift. Eindeutige Navigation. Das sind keine Sonderwünsche – das ist gutes Webdesign. Besucher bleiben länger. Verstehen schneller, was Sie anbieten. Und nehmen eher Kontakt auf.
3. Ihre Webseite wird besser gefunden
Viele Maßnahmen für mehr Barrierefreiheit helfen gleichzeitig bei der Suchmaschinenoptimierung. Saubere Strukturen, aussagekräftige Texte, beschriftete Bilder – Google bewertet das positiv. Und KI-Assistenten wie ChatGPT oder Perplexity, die Suchanfragen beantworten, arbeiten ebenfalls besser mit klar strukturierten Inhalten. Wer barrierefrei ist, ist also auch besser auffindbar.
4. Sie senden ein klares Signal
Ein Betrieb, der zeigt, dass er alle Kunden ernst nimmt, wirkt professionell und vertrauenswürdig. Gerade im regionalen Umfeld, wo Empfehlungen und Mund-zu-Mund-Kommunikation eine große Rolle spielen, ist das kein kleiner Punkt.
Und das Gesetz?
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz – kurz BFSG – verpflichtet viele Unternehmen dazu, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten. Die Frist für Webseiten und Online-Shops läuft seit dem 28. Juni 2025.
Ich werde das BFSG in einem eigenen Artikel dieser Reihe ausführlich behandeln – wer betroffen ist, was konkret gefordert wird und wie Sie vorgehen können. An dieser Stelle nur so viel: Wer jetzt handelt, erfüllt nicht nur eine gesetzliche Anforderung. Er gewinnt gleichzeitig alle Vorteile, die ich oben beschrieben habe.
Gesetz und Geschäftsvorteil – beides auf einmal. Das ist kein schlechtes Angebot.
Wo steht Ihre Webseite heute?
Die meisten Betriebe wissen gar nicht, wie zugänglich ihre Webseite aktuell ist. Das ist keine Kritik – Barrierefreiheit war lange kein Thema, das aktiv kommuniziert wurde.
Wenn Sie wissen möchten, wo Sie stehen und was sich bei Ihnen konkret verbessern lässt, sprechen Sie mich gerne an. In einer kostenlosen Website-Analyse schaue ich mir Ihre Seite in rund 30 Minuten an – unverbindlich und mit konkreten Ergebnissen.
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Im nächsten Teil dieser Reihe erkläre ich, was eine Webseite wirklich barrierefrei macht – und was die WCAG-Richtlinien für Ihren Betrieb konkret bedeuten.
Über den Autor
Jürgen Hochhäuser betreibt Hochhäuser Webdesign mit Fokus auf Handwerksbetriebe und kleinere Unternehmen in Ostfriesland und darüber hinaus. Mit über 40 Jahren Erfahrung in der IT-Branche – davon mehr als 18 Jahre als Business Consultant und Projektleiter in internationalen Projekten für einen weltweit führenden Softwarehersteller – verbindet er tiefes technisches Know-how mit einem klaren Verständnis für die Bedürfnisse von Unternehmen und Handwerksbetrieben.
Sein Ansatz: Professionelle Websites, die funktionieren und verständlich sind. Besonderer Wert liegt auf barrierefreier Gestaltung und zugänglicher Kommunikation.
Kontakt:
Hochhäuser Webdesign | Hochhäuser Consulting



